Kulinarische Weltreise – Die nordische Küche
veröffentlicht am 29. Dezember 2025 in der Kategorie Leben (Bildquelle: Envato/LightFieldStudios)
Sie hätten gerne mehr Abwechslung in Ihrer Küche? Wie wäre es dann mit einer kulinarischen Reise quer über den Globus – bequem vom eigenen Herd aus? Jede Region der Welt bringt nicht nur einzigartige Zutaten und Zubereitungstechniken mit sich, sondern auch Geschichten, Traditionen und Lebensgefühle. In dieser neuen Beitragsreihe entdecken Sie Schritt für Schritt faszinierende Küchen der Welt: von rustikalen Klassikern bis zu modernen Interpretationen.
Heute beginnen wir in Nordeuropa – einer Region, die bewusst mit der Natur lebt und deren Küche von klaren Aromen, frischen Zutaten und jahrhundertealten Traditionen geprägt ist.
Schlicht, naturverbunden und erstaunlich vielfältig
Die nordische bzw. skandinavische Küche erlebt seit Jahren einen Aufschwung. Was früher vor allem als bodenständig galt, wurde durch die Bewegung der "New Nordic Cuisine" international gefeiert. Klarheit, Natürlichkeit und regionale Produkte stehen im Mittelpunkt – beeinflusst durch das raue Klima, die kurzen Sommer und die innige Verbindung zu Meer, Wald und Bergen.
Die Region
Die nordische Küche umfasst die Länder Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island sowie regionale Küchen der Färöer-Inseln und Grönlands. Obwohl diese Regionen geografisch zusammengefasst werden, unterscheiden sie sich kulinarisch stärker, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Norwegen etwa ist geprägt von tiefen Fjorden, einer zerklüfteten Küste und weitläufigen Gebirgsregionen. Dadurch spielt Fisch – vor allem Lachs, Hering und Kabeljau – ebenso eine Rolle wie Wild aus den Bergen, darunter Elch oder Rentier.
Schweden hingegen bietet eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wäldern und Seen, was die Küche stark beeinflusst: Beeren, Pilze, Süsswasserfische und Wild gehören hier traditionell auf den Speiseplan.
Dänemark hat eine lange Agrarkultur und ein gemässigteres Klima. Das Land ist bekannt für Milchprodukte, Schweinefleisch, Roggenbrot und eine ausgeprägte Brot- und Backtradition.
Finnland wiederum verbindet nordische und osteuropäische Einflüsse: Die Nähe zu Russland zeigt sich in rustikalen Broten, Fischsuppen, eingelegtem Gemüse und einer Vorliebe für einfache, klare Gerichte.
Island verfügt aufgrund seiner isolierten Lage über eine ganz eigene kulinarische Tradition. Das raue Klima und die wenigen landwirtschaftlichen Möglichkeiten führten zu einer Küche, die auf Fisch, Lamm und alten Konservierungsmethoden basiert. Frische Zutaten spielen heute eine grössere Rolle, doch viele Traditionen – wie Fermentieren oder Trocknen – sind tief verwurzelt.
Trotz dieser Unterschiede teilen alle Regionen ein gemeinsames Grundprinzip: die Achtung vor natürlichen Ressourcen und die Fähigkeit, aus wenigen Zutaten das Beste zu machen.
Besonderheiten
Eine zentrale Besonderheit der nordischen Küche ist ihre enge Verbindung zur Natur. Das raue Klima zwang die Menschen über Jahrhunderte hinweg, mit den Jahreszeiten zu leben und Vorräte sinnvoll zu nutzen. Diese Lebensweise hat die kulinarische Identität der Region stark geprägt. Noch heute spielt Saisonalität eine wichtige Rolle: Frische Sommerzutaten wie Beeren oder Kräuter werden im Überfluss genutzt, während Wintergerichte auf sättigenden Vorräten, Wurzelgemüse oder konservierten Lebensmitteln basieren.
Die traditionellen Konservierungsmethoden – etwa Beizen, Fermentieren, Räuchern oder Einlegen – sind nicht nur historisch bedingt, sondern erleben in der modernen "New Nordic Cuisine" ein Revival. Dabei verbindet man altbewährte Techniken mit zeitgemässen, leichten und klaren Aromen. Diese kulinarische Bewegung, die besonders durch renommierte Restaurants in Kopenhagen und Stockholm bekannt wurde, setzt auf regionale Zutaten, natürliche Geschmacksprofile und nachhaltige Landwirtschaft.
Eine weitere Besonderheit ist die Schlichtheit der nordischen Küche. Viele Gerichte bestehen aus wenigen, aber hochwertigen Zutaten. Die Zubereitung ist oft unkompliziert, der Geschmack klar und unverfälscht.
Hinzu kommt, dass Essen in den nordischen Ländern häufig eine soziale Bedeutung hat. Das schwedische Fika-Ritual etwa ist weit mehr als eine Kaffeepause; es ist ein Moment des Zusammenkommens und des bewussten Geniessens. Auch in Dänemark gilt das gemeinsame Essen – ob Smørrebrød am Mittag oder ein langes Abendessen – als wichtiger Bestandteil des Alltags.
All diese Elemente machen die nordische Küche zu einer faszinierenden Mischung aus Tradition, Naturverbundenheit und moderner Klarheit.
Einheimische Lebensmittel und typische Zutaten
Die nordische Küche basiert stark auf dem, was die Region selbst hervorbringt – von kalten Küsten über dichte Wälder bis hin zu fruchtbaren Ebenen und kurzen, intensiven Sommern. Dadurch entstand eine charakteristische Auswahl an Lebensmitteln, die sowohl traditionell als auch zeitgemäss eine wichtige Rolle spielen. Besonders prägend sind Fisch und Meeresfrüchte, Wild, robuste Wurzelgemüse sowie Milch- und Getreideprodukte. Ergänzt werden sie durch aromatische, aber zurückhaltende Kräuter. Zusammen formen sie eine Küche, die klar, natürlich und von hoher Produktqualität geprägt ist.
Zu den wichtigsten Lebensmitteln und Zutaten gehören:
Fisch & Meeresfrüchte: Lachs, Hering, Kabeljau, Garnelen
Wild & Fleisch: Elch, Rentier, Wildvögel, Schweinefleisch (besonders in Dänemark)
Waldprodukte: Preiselbeeren, Blaubeeren, Moltebeeren, Pilze
Wurzelgemüse: Kartoffeln, Karotten, Pastinaken, Rote Bete, Steckrüben
Milchprodukte: Butter, Sahne, Buttermilch, Quark, Skyr
Getreide: Roggen, Hafer, Gerste – oft als Brot, Brei oder Knäckebrot
Kräuter & Gewürze: Dill, Petersilie, Kümmel, Wacholder
Typische Rezepte aus der Nordischen Küche
Gravlax – Skandinavischer gebeizter Lachs
Ein Klassiker der nordischen Küche: frischer Lachs wird über mehrere Tage in einer Mischung aus Salz, Zucker, Gewürzen und viel Dill gebeizt. Das Ergebnis ist ein zartes, aromatisch-würziges Fischfilet, das dünn aufgeschnitten serviert wird.
Herstellung:
Ein gleichmässiges Stück Lachsfilet wird von Gräten befreit und trocken getupft. Anschliessend mischt man Salz, Zucker, schwarzen Pfeffer und gehackten Dill zu einer Beize. Der Lachs wird damit vollständig bedeckt, straff in Frischhaltefolie eingewickelt und 48–72 Stunden im Kühlschrank beschwert. Während dieser Zeit verliert der Fisch Wasser, nimmt die Aromen auf und wird fest und leicht glänzend.
Serviert wird Gravlax traditionell mit Senf-Dill-Sauce, etwas Zitronensaft und dunklem Brot.
Smørrebrød – Dänische offene Brote
Smørrebrød sind kunstvoll belegte Roggenbrotscheiben, die von herzhaft bis elegant alles bieten: Hering, Roastbeef, Ei, Krabben oder Käse – kombiniert mit Saucen und frischem Gemüse.
Herstellung:
Auf ein dickes Stück Roggenbrot wird zunächst eine dünne Schicht Butter gestrichen. Der Belag folgt einer Art Regelwerk:
Fisch harmoniert mit Zwiebeln, Kapern, Dill, Remoulade
Fleisch wird mit Röstzwiebeln, Gewürzgurken oder Meerrettich kombiniert
Eier werden mit Krabben, Schnittlauch oder Kaviar serviert
Wichtig ist die Schichtung: erst Hauptzutat, dann Garnitur, zuletzt eine kleine Sauce oder ein Kräuterzweig. Smørrebrød wird traditionell mit Messer und Gabel gegessen – trotz seiner Brotbasis.
Köttbullar – Schwedische Fleischbällchen
Die berühmten schwedischen Fleischbällchen bestehen traditionell aus einer Mischung aus Rind- und Schweinefleisch, sind mild gewürzt und werden mit Kartoffelpüree, Rahmsauce und Preiselbeeren serviert.
Herstellung:
Gehacktes Fleisch wird mit geriebenen Zwiebeln, Milch, Semmelbröseln, Salz, Pfeffer und etwas Piment vermischt. Die kleine, runde Form sorgt für gleichmässiges Braten. Nach dem Anbraten werden sie kurz in der Pfanne ruhen gelassen, während aus dem Bratensatz eine cremige Rahmsauce entsteht. Dazu gibt es Kartoffelpüree und die unverzichtbare Preiselbeer-Konfitüre, die einen süss-sauren Kontrast setzt.
Laxsoppa – Finnische Lachssuppe
Eine wärmende, milde Suppe mit zartem Lachs, Kartoffeln, Gemüse und viel Dill – perfekt für kalte Tage.
Herstellung:
In einem Topf werden Kartoffeln, Karotten und Lauch in Butter angeschwitzt und anschliessend in Fischfond gegart. Kurz bevor das Gemüse weich ist, werden grosszügige Würfel aus frischem Lachs hinzugefügt. Ein Schuss Rahm sorgt für Cremigkeit, Salz, Pfeffer und frischer Dill runden die Suppe ab. Der Lachs soll nur ziehen, nicht kochen, damit er saftig bleibt.
Rømmegrøt – Norwegischer Sauerrahmbrei
Ein traditionelles Gericht der Bauernküche: ein cremiger Brei aus Sauerrahm, Milch und Mehl, serviert mit Zimt, Zucker und geschmolzener Butter.
Herstellung:
Sauerrahm wird vorsichtig erhitzt, bis sich etwas Fett absetzt. Dann wird Mehl eingerührt, wodurch eine dicke, weiche Masse entsteht. Anschliessend verdünnt man mit heisser Milch, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist – ähnlich wie bei einem Griessbrei.
Serviert wird Rømmegrøt traditionell mit Butter, Zimtzucker und manchmal auch Speck. Ein echtes Wohlfühlgericht!
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