Alleinleben im Alter: Zahlen aus der Schweiz
veröffentlicht am 9. Februar 2026 in der Kategorie Leben (Bildquelle: Envato/Okrasyuk)
Alleinleben im Alter ist ein Thema, das in der Schweiz immer häufiger diskutiert wird. Die Bevölkerung wird älter, Lebensentwürfe verändern sich und traditionelle Familienmodelle lösen sich zunehmend auf. Viele Menschen fragen sich deshalb, wie Seniorinnen und Senioren heute tatsächlich leben: Wohnen sie mehrheitlich allein oder im Paarhaushalt? Leben sie im eigenen Haus, in einer Wohnung oder in einer betreuten Wohnform? Und was bedeutet Alleinleben für Lebensqualität, soziale Kontakte und das persönliche Wohlbefinden?
Älter werden in der Schweiz
In der Schweiz leben heute knapp 1,8 Millionen Menschen im Alter von 65 Jahren und älter (Bundesamt für Statistik). Damit macht diese Altersgruppe einen bedeutenden Teil der Gesamtbevölkerung aus – und ihr Anteil wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Mit zunehmendem Alter verändern sich auch die Wohn- und Lebenssituationen. Während viele Menschen beim Eintritt ins Rentenalter noch mit einer Partnerin oder einem Partner zusammenleben, nimmt der Anteil der alleinlebenden Personen im höheren Alter deutlich zu.
Alleinleben bedeutet nicht automatisch Einsamkeit
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Alleinleben und Einsamkeit. Viele Seniorinnen und Senioren leben bewusst allein und empfinden diese Wohnform als angenehm. Sie schätzen ihre Selbstständigkeit, die Ruhe und die Freiheit, den Alltag nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Gerade in den ersten Jahren nach der Pensionierung berichten viele ältere Menschen von einer hohen Lebenszufriedenheit.
Mit zunehmendem Alter kann sich diese Situation jedoch verändern. Gesundheitliche Einschränkungen, nachlassende Mobilität oder der Verlust sozialer Kontakte können dazu führen, dass das Alleinleben als belastend empfunden wird. Die Pro Senectute weist in einer Untersuchung darauf hin, dass insbesondere hochbetagte Menschen überdurchschnittlich häufig von Einsamkeit betroffen sind. Gerade ab etwa 85 Jahren steigt das Risiko, sich sozial isoliert zu fühlen, deutlich an.
Wie wohnen Seniorinnen und Senioren?
Die meisten älteren Menschen leben weiterhin in ihren eigenen vier Wänden. Viele besitzen ein Eigenheim oder wohnen seit Jahrzehnten in derselben Mietwohnung. Der Wunsch, möglichst lange selbstständig zu Hause zu bleiben, ist stark ausgeprägt.
Ein grosser Teil der Seniorinnen und Senioren lebt dabei allein. Wie verbreitet das tatsächliche Alleinwohnen im Alter ist, zeigt eine aktuelle Studie des Bundesamts für Wohnungswesen deutlich. Laut der Untersuchung "Wohnen im Alter" leben rund 273’900 Personen im Alter von 76 Jahren oder älter alleine in ihrer Wohnung. Das entspricht etwa 40 Prozent dieser Altersgruppe. Die Studie zeigt, dass das Alleinleben im höheren Alter häufiger Frauen betrifft als Männer – vor allem aufgrund der höheren Lebenserwartung.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass viele Wohnungen nicht altersgerecht sind. Fehlende Lifte, Treppen oder nicht barrierefreie Badezimmer können den Alltag erschweren und langfristig einen Wohnungswechsel notwendig machen.
Warum leben viele ältere Menschen allein?
Die Gründe für das Alleinleben im Alter sind vielfältig. Häufig ist es der Verlust des Partners, der dazu führt, dass Menschen im höheren Alter allein wohnen. Auch Scheidungen, die bereits früher im Leben stattgefunden haben, wirken sich im Alter stärker aus. Hinzu kommt, dass Kinder und Angehörige oft nicht mehr in der Nähe wohnen, sondern aus beruflichen oder anderen Gründen weggezogen sind.
Gleichzeitig entscheiden sich viele Seniorinnen und Senioren ganz bewusst für ein eigenständiges Leben. Sie möchten unabhängig bleiben und empfinden gemeinschaftliche Wohnformen oder das Zusammenleben mit anderen als Einschränkung. Erst wenn sich die Lebensumstände ändern, wird diese Entscheidung manchmal neu überdacht.
Wenn Alleinleben zur Herausforderung wird
Das Alleinleben kann im Alter sowohl bereichernd als auch herausfordernd sein. Neben praktischen Schwierigkeiten im Haushalt oder bei der Mobilität spielen emotionale Faktoren eine grosse Rolle. Fehlende Gespräche, wenig soziale Kontakte oder das Gefühl, niemanden zu haben, können die Lebensqualität beeinträchtigen.
In der Schweiz existieren jedoch zahlreiche Unterstützungsangebote. So bieten Organisationen wie das Schweizerische Rote Kreuz, die Pro Senectute aber auch Gemeinden, kirchliche Organisationen und lokale Initiativen Treffpunkte, Besuchsdienste und Beratungen an. Ambulante Dienstleistungen wie Spitex, Mahlzeitendienste oder Haushaltshilfen ermöglichen es vielen Menschen, länger selbstständig zu Hause zu leben. Ergänzend sorgen Notrufsysteme für zusätzliche Sicherheit im Alltag.
Alternativen zum Alleinwohnen
Wer nicht mehr alleine leben möchte, hat heute deutlich mehr Möglichkeiten als früher. Senioren-Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenhäuser oder betreute Wohnanlagen verbinden Privatsphäre mit Gemeinschaft. Diese Wohnformen bieten Sicherheit und soziale Nähe, ohne die Selbstständigkeit vollständig aufzugeben.
Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen im Alter kann helfen, spätere Entscheidungen entspannter zu treffen. Beratungsgespräche, Wohnraumanpassungen oder der Austausch mit anderen Betroffenen sind wertvolle Schritte, um das eigene Leben im Alter aktiv zu gestalten.
Wenn Sie sich vertieft mit alternativen Wohnformen, betreutem Wohnen oder gemeinschaftlichen Modellen auseinandersetzen möchten, finden Sie weitere Informationen dazu in diesem Artikel.